Erste Schritte


1.) Durchatmen
Okay - so eine Diagnose macht etwas mit einem. Und ja, es wird sich einiges ändern, wenn man von heute auf morgen gezwungen ist, ein glutenfreies Leben zu leben. Doch weder sollte man in depressive Verstimmungen noch in Panik verfallen. Denn weder ist das schöne Leben vorbei noch ist es nun unglaublich gefährlich geworden - es ist nur anders geworden. Also - durchatmen, ruhig bleiben und Blick nach vorne.

2.) Konsequenz an den Tag legen
Es gibt jetzt kein "eine letzte Pizza noch" mehr, auch kein "ein bisschen Mehl kann ja nicht schaden". Denn es schadet. Daher: Konsequenz sein und absoluter Entzug von Gluten. Bei der Zubereitung zu Hause und auch auswärts darauf achten, dass man wirklich glutenfrei isst. Es mag am Anfang ungewohnt sein, in einem Restaurant lange mit dem Kellner über glutenfreie Speisen zu diskutieren, aber es lohnt sich. Zöliakie ist eine Krankheit und somit hat man damit ernst genommen zu werden. Kein "Ich will nicht mühsam sein", sondern einfach Selbstbewusstsein (und nettes Erklären, wenn es anderen gegenüber ist).

3.) Mitglied bei einer Interessensgemeinschaft werden
Es gibt in jedem Land Interessensgemeinschaften Zöliakie. Eine Mitgliedschaft hat nicht nur den Vorteil, dass man diese unterstützt (und diese somit mehr Geld hat, wertvolle Arbeit zu vollbringen), sondern auch, dass man mit allerlei Informationsmaterial versorgt wird, das gerade in der Anfangszeit sehr hilfreich ist. So kann man sich in das Thema "einlesen" und sieht auch, dass man nicht alleine ist, sondern viele andere Leute überaus gut mit der Diagnose leben.

4.) Informieren
Und mit "informieren" meine ich "sich selbst informieren" als auch "andere informieren".
Einerseits ist es unglaublich wichtig, sich selbst zu informieren, was die Diagnose denn bedeutet und welche Konsequenzen sie hat.
Andererseits ist es auch wichtig, Familie, Verwandte und Freunde nach und nach zu informieren. Keine falsche Scheu an den Tag legen: Einfach darüber sprechen. Was es ist, was es für Dich bedeutet und auch, wie es Dir damit geht. Je mehr andere über Deine Diagnose wissen, desto besser können sie Dich verstehen.

5.) Küche glutenfrei machen
Die tollsten glutenfreien Lebensmittel bringen nichts, wenn sie in einer Küche zubereitet werden, die nicht glutenfrei ist. Daher: Putzen, Kochutensilien aus Holz austauschen etc. Was ich nach meiner Diagnose alles gemacht habe, gibt es hier nachzulesen. Wichtig ist es auch, sämtliche glutenhaltigen Lebensmittel aus der Küche zu entfernen (am besten an Familie und Freunde verschenken) bzw extra zu lagern (wenn andere Personen im Haushalt diese noch essen können). Einfach alles durchgehen, Inhaltsstoffe lesen - und dann in "glutenfrei" und "nicht glutenfrei" aufteilen.

6.) Einkaufen gehen
Einkaufen gehen und sich wirklich Zeit für den Einkauf nehmen. Einerseits kann man schauen, welche glutenfreien Ersatzprodukte es denn so gibt, und sich ein paar davon kaufen (es hat mich ungemein beruhigt, dass ich glutenfreie Pasta zu Hause hatte und glutenfreie Brötchen). Andererseits kann man schauen, welche Produkte man findet, die von Haus aus glutenfrei sind. Quinoa, Linsen, Bohnen und Co sowie vielleicht andere Lebensmittel, die man zuvor viel zu selten gekocht hat, können nun interessant werden. Aber auch glutenfreie Fertiggerichte sind toll - dank dieser kann man einfach einmal etwas entspannt essen, ohne sich überlegen zu müssen, ob dies nun glutenfrei ist oder man bei der Zubereitung einen Fehler gemacht hat. Besonders in meiner Anfangszeit, als ich noch unsicher war, was ich denn nun essen darf und was ich denn kochen könnte, habe ich dies sehr geschätzt.

7.) Neugierig sein
Wie schon unter Punkt 1 geschrieben - es ändert sich nun vieles, aber Veränderungen sind ja nicht schlecht. Das Positivste ist, dass man nun bald all die Beschwerden, die durch den Glutenkonsum verursacht wurden, los sein wird. Positiv ist aber auch, dass es so viel zu entdecken gibt, solange man nur neugierig bleibt. Von verschiedenen glutenfreien Produkten bis hin zu neuen kulinarischen Vorlieben und dem Entdecken neuer Restaurants: es ist die perfekte Chance, ein paar alte Pfade zu verlassen, sich in neue Gefilde vorzuwagen und mit offenen Augen auf eine spannende Reise zu gehen.