Aufklärungsarbeit

Nein, dieser Beitrag beginnt nicht mit einer Geschichte von den Bienen und den Blumen. Vielmehr geht es um Aufklärungsarbeit betreffend Zöliakie. Denn die ist sehr vielfältig – und kann auch sämtliches Restaurantpersonal betreffen.

Wenn Speisen auf der Karte extra als glutenfrei gekennzeichnet sind, es klar ausgewiesene glutenfreie Optionen gibt etc, dann ist es einfach - dann genügt ein Hinweis auf "Zöliakie" und "bitte glutenfrei".

Wenn es keine klar ausgewiesenen Speisen gibt, heisst es nachfragen und verhandeln. Vielleicht kann man ja einen Salat ohne Brot servieren und statt fertigem Dressing einfach Essig und Öl dazu. Oder das Beef Tatar, welche Gewürze hat das drin? Wenn kein Aromat (glutenhaltig!) verwendet wurde, könnte es gehen.

Geht es um warme Speisen, wird es sogar ein wenig komplizierter. Manchmal so Basics klären wie "Sind die Pommes Frites glutenfrei? Wenn ja - ist die Fritteuse für diese auch eine andere als für glutenhaltiges Essen?" Und dann noch Bitten von wegen "Aber bitte in einer anderen Pfanne als glutenhaltige Speisen machen", "Bitte nicht dasselbe Nudelwasser verwenden", "Bitte nicht in Bouillon kochen" etc. Je nachdem, wie ich das Gefahrenpotential der einzelnen Speisen sowie Orte einschätze.

Ich muss ehrlich sagen, ich ging eine Weile nicht gerne essen. Erst war es mir unangenehm, immer «Sonderwünsche» zu haben und nicht einfach einmal so bestellen zu können, ohne erst rückzufragen und auf die Tatsache, dass das Essen glutenfrei sein muss, hinzuweisen. Andererseits fand ich es mühsam, immer erklären zu müssen, was ich denn habe, was ich essen darf und worauf man achten muss.

Dies änderte sich jedoch, als ich einmal nach einem längeren Gespräch mit einem Kellner, ein wenig meine Augen verdrehend, von meinem Freund folgende Aussage serviert bekam «Sieh es doch positiv – Du leistest hier wertvolle Aufklärungsarbeit und stärkst das Bewusstsein für Zöliakie.» Bäm. Das hat gesessen. Nicht als Attacke gegen mich, sondern als Zusammenfassung der Situation.

Denn es stimmt einfach. Natürlich ist es in diesem Moment für mich mühsam, nicht einfach nur das Essen geniessen zu können, sondern mich erst erklären zu müssen. ABER nur so schaffen wir ein Bewusstsein dafür. Und wenn wir das alle regelmässig machen, so wird das Bewusstsein immer grösser und grösser. Somit: Je mehr jede/r von uns jetzt erklärt, so weniger werden wir in Zukunft erklären müssen.

Wenn ich jetzt also mit Kellnern und Küchenchefs spreche, dann mache ich das mit viel mehr Freude. Denn ich sehe es nicht mehr als Belastung, sondern als gute Tat für alle Zölis.

Und jetzt hoffe ich, dass ich Euch mit diesem kurzen Text davon überzeugen konnte, es auch zu tun. Geht essen, redet, informiert – und nutzt die Chance, eine gute Tat zu begehen, die so eng mit Genuss verbunden ist.


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